Think global - Act global - from protest to resistance (de)

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Zwischen dem 12. und 16. November 2003 findet in Paris das zweite Europäische Sozialforum (ESF) statt. Es wird in diesenTagen 55 Podiumsveranstaltungen und 180 Seminare geben. Erwartet werden bis zu 60.000 Menschen, die über Strategien für eine gerechtere Welt und über den Widerstand gegen Krieg und Neoliberalismus diskutieren wollen.

Auch wir wollen das Treffen in Paris für den Austausch der radikalen Linken aus Europa nutzen um über den Stand und die Zukunft konfrontativer, antikapitalistischer Politik zu diskutieren und laden deshalb euch hiermit ein daran teilzunehmen. Wir haben dafür einen Workshop-Raum angemietet.

Wir möchten diesen Austausch herstellen und darüber hinaus an gemeinsamen Konzepten überlegen, wie in Zukunft wirkungsvoller agiert werden kann. Wir denken dass der radikalen Linken, die auf die grundsätzliche Umwälzung der bestehenden Verhältnisse hinaus will, gemeinsame Strategien fehlen. Wenn man sich die Gipfel der vergangenen Jahre anguckt, sind sie geprägt von verschiedenen Konzepten des Widerstandes. Nach Seattle wurde der militante Aspekt, der Aspekt der Konfrontation, der zentrale für die Wahrnehmung der Bewegung. Wir mobilisierten nach Göteborg, um als Linksradikale sichtbar in der Antiglobalisierungsbewegung aufzutreten und eine internationale Zusammenarbeit zu forcieren. Nach der Konfrontation in Göteborg folgte die Repression und Zerschlagung der dortigen linken Infrastruktur. Wir sahen Genua, die Verstärkung der Konfrontation und die Antwort der Repression. Es gab nach Genua so gut wie keine Erklärung für die Aktionen des black-block, da dieser nicht mehr als eine kurze Form der Revolte darstellte, ohne sichtbare Gruppen, Parolen oder Forderungen. Die Erklärung für den Widerstand gegen den neoliberalen Kapitalismus gaben andere, (die sich meistens massiv vom black-block abgrenzten) an denen orientierte sich ein Grossteil der Menschen, die sich der Bewegung anschließen wollten. Gleichzeitig tauchten die Disobbedienti (ex Tute Bianche) als neue Aktionsform auf. Der Gipfel in Kopenhagen stellte dann den Versuch dar, den Widerstand zu vermitteln, die Konfrontation wurde symbolisch dargestellt, die Außenwirkung war gering. In Evian und Cancun ist die Bewegung wieder zu direkten Aktionen übergegangen, doch zeigte sich gerade in Evian die mangelnde Koordination von linken Gruppen.

Wir sehen die Notwendigkeit den Widerstand zu vermitteln, sehen den Aspekt der Konfrontation als einen dieser Vermittlung an. Wir haben festgestellt, dass der black-block in seiner jetzigen Erscheinungsform nicht unser Bezugspunkt auf den Gipfeln ist, lehnen andererseits das artige Vortragen der Missstände, das Appellieren an die Entscheidungsträger, die Hoffnung, dass die eigenen Argumente doch noch die Verwalter des Kapitalismus überzeugen grundsätzlich ab. Wir wollen also eine Politik mit euch entwerfen, die sich als konfrontativ vermitteln kann, die anderen die Möglichkeit gibt sich zu beteiligen und die nach Außen wirkungsvoll ist, sowie die Möglichkeit der politischen Einflussnahme eröffnet. Es ist offensichtlich, dass die Möglichkeiten zu konfrontativer Politik von Land zu Land variieren. Wir denken, dass die jeweiligen Gruppen vor Ort diese Bedingungen den anderen deutlich machen sollten, um den Rahmen für mögliche Aktivitäten abstecken zu können.

Zum Ablauf der Diskussion wollen wir die Veranstaltung in drei Blöcke unterteilen. Für den ersten Block haben wir für einige Gruppen aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Italien und Frankreich Leitfragen erstellt, die in jeweils 15 minütigen Referaten vorgetragen werden, die Gruppen sollen dabei eigene Schwerpunkte setzen. Thematisch geht es hierbei um die Möglichkeiten innerhalb der Globalisierungsbewegung Politik zu machen, unser Verhältnis zum „Rest der Bewegung“, Aktivitäten zwischen den Gipfeln und nicht zuletzt die stärken und schwächen der radikalen Linken auf den Gipfeln. Im zweite Block soll das Konzept der Disobbedienti vorgestellt und diskutiert werden, da ihr Konzept momentan die größte Aufmerksamkeit erregt und sich konfrontativ vermittelt. Welche Teile des Konzeptes sind für uns von Interesse? Was ist die Kritik? Der dritte Block soll sich dann mit Perspektiven und Möglichkeiten für gemeinsame Aktionen, Vernetzung und einer weiteren Zusammenarbeit beschäftigen. Hierzu wird es von uns einen konkreten Vorschlag geben. Eigene Vorschläge sind natürlich dringend erwünscht. Die Veranstaltung soll den hierbei eine Diskussionsrunde sein und keine Podiumsveranstaltung. Für Samstag, den 15.11. wollen wir mit Euch einen gemeinsamen Block auf der Demonstration in Paris bilden.