arranca!-Radio #1: Lookism

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Radio arranca! (Bild: cogdogblog, Flickr)
Jetzt haken wir nochmal nach. Wie war das mit "Lookism?"

Das Thema ist kompliziert. Wie könnte es auch anders sein, wenn schon das Wort "Lookism" derart sperrig ist. Für den aus dem englischen Sprachgebrauch entliehenen Begriff gibt es keine direkte deutsche Übersetzung. Wir haken nach: Ein Thema aus der arranca #43: "Bodycheck und linker Haken".

Verstanden wird unter "Lookism", analog zu anderen strukturellen gesellschaftlichen Unterdrückungsverhältnissen (etwa Rassismus oder Sexismus), diskriminierendes Verhalten gegen Personen auf Grund ästhetischer Urteile. Darunter fallen nicht nur offensichtliche Frechheiten und Tätlichkeiten, sondern auch abschätzige Blicke, zweideutige Kommentare oder sonstige versteckte ausgrenzende Sozialtechniken.

"Schönheit", so lautet die vordergründige These, ist unter den Menschen ungleich verteilt, spielt jedoch in sozialen Beziehungen eine wichtige Rolle. Ästhetische Urteile seien für Individuen wie Gruppen hochgradig handlungsleitend und führten zu einer ungerechten und diskriminierenden sozialen Praxis, die sich durch alle zentralen Lebensbereiche zieht.

Wissenschaftlichen Studien verschiedener Güte gibt es zu dieser Beobachtung zu Genüge. So konnte bei Versuchen mit fingierten Bewerbungsmappen beispielsweise nachgewiesen werden, dass ein und derselbe Lebenslauf wesentlich bessere Chancen hatte zum Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden, wenn ein Foto mit einer "attraktiven Person" beilag. Das Fehlen eines Fotos oder auch die Beigabe eines wenig gelungenen Schnappschusses brachte deutlich weniger Erfolge. Auch auf das Wahlverhalten hat die "Schönheit" der Kandidat_innen Einfluss.

Analog dazu werden jedoch auch gegenläufige Effekte konstatiert. So geben vor allem Akademikerinnen oftmals an, sich bewusst ‚unattraktiver‘ zu machen, da bestimmte Formen von "Schönheit" als Karrierehemmnis und Einfallstor für negative Zuschreibungen gefürchtet werden. Wer ‚schön‘ ist hat oft auch Angst, nicht für voll genommen zu werden: "Die hat ein hübsches Gesicht und nichts dahinter", oder "Der hat einen niedlichen Arsch und das scheint anzukommen …" Das Mitschwingen boshafter und oftmals auch sexualisierter Zuschreibungen zeigt, wie janusgesichtig die Sache mit der Schönheit ist.

Die Sendung wurde am  22. August 2011 um 20 Uhr auf Radio Corax ausgestrahlt. Dauer: 42:42 Min.