"Betreuungsgeld ist keine Wahlfreiheit!"

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Bericht zur queerfeministischen Kundgebung am 9. März in Berlin

Am Freitag, den 9. März fand eine queerfeministische Kundgebung am Spreewald-Platz in Berlin-Kreuzberg statt. Rund 120 Menschen nahmen im Verlauf des Nachmittags an der Kundgebung teil, die von der Interventionistischen Linke (IL) Berlin organisiert wurde und sich gegen die Politik des Bundesfamilienministeriums und speziell gegen Kristina Schröder richtete. "Extrem unsozial, reaktionär und antifeministisch ist Schröder", machte die Moderatorin am Mikrofon das Motto des Tages deutlich.

Konkret richtete sich die Kundgebung zum Frauenkampftag gegen die geplante Einführung eines Betreuungsgeld. Dieses richtet sich an Eltern, die während des zweiten und dritten Lebensjahres ihres Kindes keinen staatlichen Kita-Platz in Anspruch nehmen, sondern die Kinderbetreuung selbst organisieren möchten. Ein finanzieller Ausgleich in Höhe von ca. 150 Euro monatlich ist dabei vorgesehen. "Es kann nicht sein, dass im 21. Jahrhundert wirklich ernsthaft überlegt wird, 150 Euro für Frauen zu zahlen, wenn sie zu Hause bleiben", äußerte eine Passantin am Rande. "Aber immerhin besser als nichts", antwortete eine andere. Eine Diskussion entfachte sich und die als Mitmach-Kundgebung angekündigte Veranstaltung wurde ihrem Anspruch gerecht - es wurde hitzig debattiert.

Wenige Meter weiter wurde währenddessen eine vorbeilaufende Passantin mit Kind von einer Aktivistin interviewt. Wie bei ihr die Haus- und Sorgearbeit verteilt sei, ob sie Anerkunng bekäme und in welcher Form diese geäußert würde, waren einige der Fragen. Daneben wurde gefragt, wie sie gerne Leben würde und welche utopische Vorstellung von Zusammenleben sie hätte. Oft stockte die Befragte, dachte über das ein oder andere nach und antwortete letztlich aber wohlwollend. Am Ende sagt sie: "Über Vieles habe ich mir schon lange gar keine Gedanken mehr gemacht." Dann schreibt sie noch "Für ein leben ohne Existenzangst" auf einen Zettel und hängte ihn auf eine Wäscheleine, die für Äußerungen von Passant_innen aufgestellt worden war.

"Es ist ein Skandal, dass Kristina Schröder versucht das geplante Betreuungsgeld als Wahlfreiheit zu verkaufen. Statt wirkliche Ungleichkeiten zwischen den Geschlechtern zu beseitigen, manifestiert sie so Abhängigkeits- und Machtverhältnisse", sagt Toni Fischer, die Pressesprecherin der IL Berlin. Im Hintergrund der Kundgebung läuft HipHop und Rap, einige Leute bleiben stehen, einige gehen vorbei.

Diese Tatsache, dass viele zufällig Hinzugekommene Fragen beantworteten oder sich anderweitig bei der Mitmach-Kundgebung einbrachten, gab der Überlegung der Veranstalter_innen Recht, deren Ortswahl auf einen belebten Kreuzberger Platz anstelle des Familienministeriums im tristen Regierungsviertel fiel.

Der Bericht ist eine leicht veränderte Version eines Indymedia-Beitrags von Schreibende QueerFeministin.