1.Mai dieses Jahr mit Mayday-Labor

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[aus aktuellem Anlass: Falls sich die angedrohte Schlechtwetter-Front für den 1. Mai bewahrheitet, bleiben wir einfach auf den Blockaden gegen den Naziaufmarsch und verschieben das Mayday-Labor auf den 22.05. 16 Uhr am selben Ort]

Wo sind all die Sprechblasen hin?
Mayday-Labor am 1. Mai


Seit 2001 gibt es in vielen Städten Europas und darüber hinaus Mayday-Paraden gegen prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse. Auch Berlin hat sich nach vier Jahren daran gewöhnt, dass am 1. Mai eine vielfältige Menschenmenge mit Forderungen nach einem schönen Leben auf Sprechblasen-Pappschildern durch die Stadt demonstriert. Dieses Jahr wird es keine Parade geben. Aber die Gruppe Für eine linke Strömung (FelS) lädt zu einem offenen Treffen am 1. Mai ein: Dem Mayday-Labor.

In den letzten Jahren ist Prekarisierung und die damit verbundene Flexibilisierung und Entsicherung für viele zu einem Begriff geworden; dazu haben nicht zuletzt auch die Mayday-Paraden beigetragen. Sie stehen in der Tradition des zapatistischen Fragend-schreiten-wir-voran und waren immer durch Experimente geprägt. Mit Form (bunte und offene Parade) und Inhalt (Fragen statt vorschnellen Antworten) wurde darauf Wert gelegt, dass alle TeilnehmerInnen ihr (Über-)Leben im Kapitalismus thematisieren können – in einem kollektiven Rahmen, aber ohne die unterschiedlichen Realitäten zu vereinheitlichen. Die dahinter stehende Idee: Prekarisierung hat viele Gesichter, die sich nur schwer unter einem einzigen Slogan oder einer Widerstandsform zusammenfassen lassen.

Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, die verschiedenen Aspekte von (unserer) Prekarisierung noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Vor einigen Wochen hat FelS mit einem langfristigen Befragungsexperiment am Jobcenter Neukölln begonnen. Egal, ob als Niedriglohn-Aufstockerin, erwerbsloser Uni-Absolvent oder prekäre Existenzgründerin: An diesem Ort kommen viele verschiedene Menschen zusammen, die alle ähnliche Probleme haben. Mit der aktivierenden Befragung suchen wir nach Wegen, dem dort ausgeübten Druck gemeinsam Paroli zu bieten, bestehende Widerstände zu vernetzen und Formen der Organisierung zu erproben.

Außerdem wollen wir am 1. Mai mit allen jenen ins Gespräch kommen, denen dieses Jahr ohne Mayday-Parade etwas fehlt. Die Paraden der letzten Jahre haben den Teilnehmenden gezeigt, dass sie nicht alleine sind und sie haben Mut gemacht, sich gegen die Prekarisierung und Vereinzelung im Alltag zu wehren. Statt auf der Parade nebeneinander her zu laufen, möchten wir dieses Jahr gemeinsam mit euch unter freiem Himmel diskutieren. Wo sind die neuen Orte, an denen Prekarisierung (an)greifbar wird? Wie können wir diese Orte vernetzen und wie lassen sich die geführten Kämpfe zusammen denken? Wer unterstützt unsere oftmals vereinzelten Arbeitskämpfe? Ist der Freundeskreis die Gewerkschaft der Prekären? Wie streike ich als Ich-AG? Wie können wir das unsichtbare Nebeneinander überwinden? Und wie sieht eigentlich der Mayday der Zukunft aus?
Ab jetzt seid ihr an der Reihe: Kommt vorbei, bringt euch ein und startet mit uns das Mayday-Labor!


1. Mai, 16 Uhr Mayday-Labor
Pamukkale-Brunnen-Ruine im Görlitzer Park
(gegenüber vom ehem. Bahnhof)


FelS | Für eine Linke Strömung - April 2010

PS. Ebenfalls zum Notieren: am 1.5. ab 9 Uhr – Blockaden gegen den Nazi-Aufmarsch http://www.1-mai-nazifrei.tk/
PPS. Einen ausführlichen Text der Gruppe FelS zu den Mayday-Paraden findet sich in der nächsten arranca! und unter http://fels-berlin.de/lab

Termindaten
Datum: 
Samstag, 1. Mai 2010 - 18:00 bis Sonntag, 2. Mai 2010 - 1:59
Typ der Veranstaltung: 
Open-Air
Ort der Veranstaltung: 
Görlitzer Park (Pamukkale Brunnen)
Stadt: 
Berlin
Veranstalter_in: 
FelS
AnhangGröße
PDF icon mayday_pamukkale.pdf153.23 KB
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