LagerinvenTour in Berlin und Brandenburg

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Arbeitsschwerpunkt der AG Internationale Solidarität

Stellt ein Flüchtling in Berlin oder Brandenburg einen Asylantrag, so wird er zunächst in einer sogenannten Erstaufnahmeeinrichtung untergebracht. Nach der Anhörung (bei der die Flüchtlinge nicht nur nach ihren Fluchtgründen, sondern auch nach ihren Migrationsrouten befragt werden), werden sie auf verschiedene Lager in Berlin und Brandenburg verteilt. Es gibt derzeit 18 Lager in Brandenburg und 6 Lager in Berlin. Das Leben im Lager ist geprägt von Fremdbestimmung, Kontrolle und Isolation und geht einher mit weiteren Entrechtungsprozessen. So erhalten Flüchtlinge Lebensmittelpakete oder Gutscheine statt Bargeld, dürfen oftmals nicht arbeiten, kein Geld sparen, ihnen kann mittels der "Residenzpflicht" untersagt werden, ihren Landkreis zu verlassen und vieles mehr.

Um gegen das menschenverachtende und rassistische System der Lager aktiv zu werden, haben sich verschiedene antifaschistische und antirassistische Gruppen und Einzelpersonen, darunter zum Beispiel die Flüchtlingsinitative Berlin-Brandenburg, der Flüchtlingsrat Berlin sowie FelS, zum Bündnis gegen Lager (BgL) zusammengeschlossen.

Seit Ende 2009 besuchen verschiedene Gruppen des BgL im Rahmen der „LagerinvenTour“ regelmäßig Flüchtlingslager in Berlin und Brandenburg, um mit den Flüchtlingen in Dialog zu treten und gemeinsam politische Strategien gegen das Lagersystem zu entwickeln. Dafür wird eine Bestandsaufnahme der Zustände gemacht, Gespräche mit den Lagerbewohner_innen geführt und gemeinsam überlegt, wie ein gemeinsames Vorgehen von „Betroffenen“ und Unterstützer_innen aussehen kann.

Wir verstehen Lager als Teil des europäischen Grenzregimes, welches jedes Jahr Tausende von Menschen das Leben kostet. Gleichzeitig sind Lager als Teil des Abschiebesystem eines der sichtbarsten Ausdrücke von strukturellem Rassismus. Jedes Lager ist Teil dieses Systems, dienen sie doch dazu, Flüchtlinge und Migrant_innen zu kontrollieren und damit einen einfachen Zugriff auf sie zu haben. Die Institution Lager wurde geschaffen, um diskriminierende Ausschlüsse zu produzieren. Den Flüchtlingen soll gezeigt werden, dass sie nicht zur Mehrheitsgesellschaft gehören. Gleichzeitig wird der Mehrheitsgesellschaft vermittelt, dass die „Insass_innen“ gefährlich sein müssten, weil sie ja sonst nicht von staatlicher Seite gezwungen würden, in einem Lager zu leben.

Zur Zeit besuchen wir regelmäßig ein Lager in Brandenburg. Im Jahr 2011 soll eine Konferenz gemeinsam mit Flüchtlingen veranstaltet werden.